Der Klimawandel bringt neue Risiken für die Lebensmittelsicherheit mit sich
Der Klimawandel hat die langfristige Veränderungen des Wetters und der Durchschnittstemperaturen zur Folge. Er wird hauptsächlich durch menschliche Aktivitäten wie die Verbrennung fossiler Brennstoffe und die Abholzung von Wäldern verursacht. Hierdurch werden Treibhausgase wie Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt, die zur globalen Erwärmung führen. Der Klimawandel hat weitreichende Folgen, darunter auch eine Reihe von neuen Risiken für die Lebensmittelsicherheit.
Auswirkungen auf Lebensmittelsicherheit und Ernährungssicherheit
Eine der Hauptauswirkungen des Klimawandels auf die Lebensmittelsicherheit ist die Veränderung der Umweltbedingungen. Er beeinflusst das Wachstum, die Verteilung und das Überleben von Krankheitserregern und Schädlingen. Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmenge und extreme Wetterereignisse schaffen geeignete Bedingungen für die Ausbreitung von durch Lebensmittel übertragbaren Krankheiten.
Das Intergovernmental Panel on Climate Change
Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ist ein UN-Gremium, zuständig für die Bewertung der Entwicklung und der Auswirkungen des Klimawandels. Im Jahre 2022 veröffentlichte es den Sechsten Sachstandsbericht des IPCC. Dieser Bericht liefert umfassende wissenschaftliche Belege für die Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebensmittelsicherheit. Der Klimawandel verschärft bestehende Herausforderungen und schafft neue Bedrohungen für die Lebensmittelsicherheit
In diesem jüngsten Bericht kommt das Gremium zu dem Schluss, dass die klimabedingten Risiken für die Lebensmittelsicherheit weltweit zunehmen. Dies betrifft sowohl die Landwirtschaft, als auch die Fischerei. Die durch den Klimawandel verursachten höheren Temperaturen und die höhere Luftfeuchtigkeit führen zu einem verstärkten Befall vieler Lebensmittelkulturen mit toxischen Pilzen. Schädliche Algenblüten und durch Wasser übertragene Krankheiten bedrohen die Lebensmittelsicherheit sowie die Wirtschaft und die Lebensgrundlagen vieler Küstengemeinden.
Die zunehmende Erwärmung der Ozeane und die Versauerung verstärken die Verlagerung und Bioakkumulation von Toxinen und Schadstoffen in der marinen Nahrungskette. Die Biomagnifikation von persistenten organischen Schadstoffen und Methylquecksilber beeinträchtigt so bereits heute die Fischerei. Indigene und lokale Gemeinschaften, in denen die Überwachung der Lebensmittelsicherheit unterentwickelt ist, sind am stärksten von diesen Risiken bedroht.
Der Klimawandel und extreme Wetterereignisse können die Integrität der Lebensmittelversorgungskette stören. Sie beeinträchtigen Landwirtschaft, Fischerei und Aquakultur. Die Erwärmung hat die Verteilung, die Eignung der Anbaugebiete und den Zeitpunkt wichtiger biologischer Ereignisse verändert. Hierzu zählen das Auftauchen von Insekten. Ihr Einfluss sowohl auf die Blüte als auch deren Befall von Pflanzen haben Auswirkung auf die Lebensmittelqualität und die Ernte. Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürren können Ernten beschädigen und die Wasservorräte verunreinigen. Dies hat unmittelbaren Einfluss auf die Deckung des menschlichen Bedarfs mit Nahrungsmitteln und Wasser.
Klimaresistente Lebensmittelsysteme zur Sicherung der Lebensmittelversorgung
Der IPCC-Bericht unterstreicht die Bedeutung von Anpassungsmaßnahmen und nachhaltigen Praktiken. Er empfiehlt die Einführung klimaresistenter landwirtschaftlicher Techniken. Hierzu zählen die Diversifizierung von Kulturen, die Verbesserung von Bewässerungssystemen und die Förderung der Bodenerhaltung. Der Bericht unterstreicht auch die Notwendigkeit einer verstärkten Überwachung und Beobachtung von durch Lebensmittel übertragenen Krankheiten. Ebenso fordert er Vorschriften und Standards für Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit. Er unterstreicht die Dringlichkeit der Einführung klimafreundlicher Strategien und Politiken zur Risikominderung, zur Gewährleistung der Ernährungssicherheit und zum Schutz der menschlichen Gesundheit.
Was sind die wichtigsten neuen Risiken für die Lebensmittelsicherheit im Zusammenhang mit dem Klimawandel?
Zu den neuen Risiken für die Lebensmittelsicherheit im Zusammenhang mit dem Klimawandel gehören:
Mykotoxine
Künftige Schwankungen des CO2-Gehalts, der Temperatur und der Feuchtigkeit werden das Pilzwachstum und die Mykotoxinbildung beeinflussen. Steigende globale Temperaturen und erhöhte CO2-Werte werden sich auf das Pflanzenwachstum und die Mykotoxine produzierenden Pilze auswirken. Wissenschaftliche Veröffentlichungen unterstreichen diese potenziellen Auswirkungen.
Die Forschung hat gezeigt, dass schon ein geringer Anstieg des CO2-Gehalts das Wachstum von Mykotoxin produzierenden Pilzen anregt. Es besteht ein erhöhtes Risiko der Mykotoxinkontamination von Mais, Weizen und anderen kleinen Getreidearten. Mit Zunahme des Klimawandels werden Mykotoxine weitere Kulturpflanzen und andere geografische Gebiete kontaminieren. In Ländern mit gemäßigtem Klima ist das Risiko einer erhöhten Mykotoxinkontamination von Nutzpflanzen am größten.
Mikroben
Eine wichtige Erkenntnis des Berichts ist, dass steigende Temperaturen zu einer erhöhten mikrobiellen Kontamination von Lebensmitteln führen. Dies stellt ein erhebliches Risiko für die menschliche Gesundheit dar. Wärmere Temperaturen begünstigen das Wachstum und das Überleben von Krankheitserregern wie Salmonellen und Vibrio, wodurch das Auftreten von lebensmittelbedingten Krankheiten zunimmt. Einem wissenschaftlichen Bericht zufolge kann über die Hälfte der bekannten humanpathogenen Krankheiten durch den Klimawandel verschlimmert werden. In dem genannten Bericht wird auch darauf hingewiesen, dass sich veränderte Niederschlagsmuster und extreme Wetterverhältnisse auf die Lebensmittelsicherheit und die Kontamination von Pflanzen und Wasser auswirken können.
Rückstände von Tierarzneimitteln
Angesichts des erhöhten Risikos neu auftretender Zoonosen, der Resistenz gegen Krankheitserreger und der Veränderung von durch Vektoren übertragenen Krankheiten und Parasiten bei Tieren könnte ein verstärkter Einsatz von Tierarzneimitteln erforderlich sein. Dies kann zu erhöhten Rückstandsmengen von Tierarzneimitteln in Lebensmitteln tierischen Ursprungs führen. Die Auswirkungen gehen über die menschliche Gesundheit hinaus, da sie direkt mit der Zunahme der antimikrobiellen Resistenz (AMR) sowohl bei menschlichen als auch bei tierischen Krankheitserregern korrelieren. Dies stellt ein doppeltes Risiko dar und beeinträchtigt die Wirksamkeit antimikrobieller Behandlungen.
Außerdem wirkt sich der Klimawandel auf den Abbau und die Persistenz dieser Rückstände in der Umwelt aus. Diese Faktoren könnten zu höheren Konzentrationen von Tierarzneimittelrückständen in Ökosystemen beitragen. Dies birgt Risiken für Wasserlebewesen und kann sich durch kontaminierte Lebensmittel und Wasserquellen auf die menschliche Gesundheit auswirken. Die Bewältigung dieses Problems erfordert nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken, eine ordnungsgemäße Abfallentsorgung und Überwachungssysteme.
Pestizide
Die WHO warnt vor der zunehmenden Besorgnis über die Anwendung von Pestiziden und die daraus resultierenden Rückstände in Lebensmitteln, die durch den Klimawandel noch verstärkt wird. Die Umstellung der Anbausysteme und das Verhalten der Landwirte zur Anpassung an das sich ändernde Klima tragen zu diesem Problem bei.
Steigende Temperaturen, veränderte Niederschläge und Verschiebungen in der Schädlingsdynamik wirken sich auf den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft aus. Höhere Temperaturen können die Abbaugeschwindigkeit von Pestiziden erhöhen und ihre Wirksamkeit verringern. Veränderte Niederschläge können zu Abflüssen und einer verstärkten Auswaschung von Pestiziden in Gewässer führen, was eine Gefahr für aquatische Ökosysteme darstellt. Darüber hinaus kann der Klimawandel die Resistenz von Schädlingen und den Bedarf an höheren Pestiziddosen beeinflussen. Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert anpassungsfähige Schädlingsbekämpfungsstrategien, nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken und die Entwicklung von klimaresistenten Schädlingsbekämpfungsmethoden. Ziel ist es, die Rückstände von Pestiziden zu minimieren und die Umwelt und die menschliche Gesundheit zu schützen.
Chemische Gefahren
Dem Bericht der WHO zufolge wird sich die zunehmende Häufigkeit von Binnenüberschwemmungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel durch die Remobilisierung kontaminierter Flusssedimente und die anschließende Kontaminierung von Böden in der Landwirtschaft und auf Weiden auf die Umweltverschmutzung und die chemische Gefährdung von Lebensmitteln auswirken. Steigende Schwermetallwerte (einschließlich Methylquecksilber) in der Umwelt sind auf industrielle Aktivitäten, Bergbau, Landwirtschaft und Abfallentsorgung zurückzuführen. Der Klimawandel verschärft dieses Problem, indem er die Freisetzung von Metallen beschleunigt, ihre Bioverfügbarkeit verändert und ihre Toxizität beeinträchtigt. Extreme Wetterereignisse können Schwermetalle verbreiten, während veränderte Niederschlagsmuster die Wasserqualität beeinflussen. Steigende Temperaturen und Dürreperioden verstärken die mit der Schwermetallbelastung verbundenen Gesundheitsrisiken. Um dem entgegenzuwirken, sind die Verringerung von Emissionen, die Einführung sauberer Produktionsmethoden, die Umsetzung einer ordnungsgemäßen Abfallwirtschaft und die Verbesserung der Überwachungssysteme von entscheidender Bedeutung. Wenn wir den Zusammenhang zwischen Schwermetallen und Klimawandel verstehen, können wir auf nachhaltige Praktiken hinarbeiten, die die Umwelt und die menschliche Gesundheit schützen.
Marine Biotoxine
Steigende Meerestemperaturen, veränderte Meeresströmungen und erhöhte CO2-Werte tragen zum Wachstum schädlicher Algenblüten bei, was zu höheren Konzentrationen von Biotoxinen in der marinen Nahrungskette führt. Dies birgt Risiken für das Leben im Meer und die menschliche Gesundheit durch den Verzehr kontaminierter Meeresfrüchte. In diesem Sinne führte die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Ciguatera-Risikobewertung durch, bei der Faktoren wie der Klimawandel, wärmere Meerestemperaturen und Veränderungen in den marinen Ökosystemen als Faktoren identifiziert wurden, die zum vermehrten Auftreten von schädlichen Algenblüten, die für die Ciguatoxin-Produktion verantwortlich sind, beitragen. Die EFSA führte eine Ciguatera-Risikobewertung durch, bei der ein Zusammenhang zwischen Klimawandel, wärmeren Ozeanen und veränderten Meeresökosystemen und der Zunahme schädlicher Algenblüten und der Ciguatoxin-Produktion hergestellt wurde.
Die EFSA entwickelte eine Methodik zur Ermittlung und Definition neu auftretender Risiken für die Lebens- und Futtermittelsicherheit, die Pflanzen- und Tiergesundheit sowie die Ernährungsqualität im Zusammenhang mit dem Klimawandel, zusammengefasst als CLEFSA– („Climate change as a driver of emerging risks for food and feed safety, plant, animal health and nutritional quality“). Dieses System enthält „Score Sheets„, die mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf ein breites Spektrum von Fragen der Lebensmittelsicherheit charakterisieren.
Einem wissenschaftlichen Bericht zufolge wird der nächste wichtige Schritt darin bestehen, globale Datenbanken mit empirischen Messungen und Modellierungsinformationen über die Auswirkungen des Klimawandels auf Schadstoffe zusammenzustellen, um fundiertere Vorhersagen über künftige Auswirkungen treffen zu können, ökosystembasierte Planungsentscheidungen zu unterstützen, festzustellen, wo dringende Abmilderungsmaßnahmen am nötigsten sind, proaktive und präventivere Managementpraktiken zu planen und die Fortschritte bei nachhaltigen Managementmaßnahmen zu überwachen.
Wie wir Sie unterstützen können
Wir, das Institut Kirchhoff Berlin, ein Unternehmen von Mérieux NutriSciences, unterstützen Sie mit einer breiten Palette von Dienstleistungen, einschließlich chemischer Analytik und Beratung, um Ihnen bei der Bewältigung der mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen im Bereich der Lebensmittelsicherheit zu helfen. Wir unterstützen Sie in jeder Phase Ihrer Wertschöpfungskette und begleiten Sie beim Aufbau eines nachhaltigen Lebensmittelsicherheitssystems, das die Lebensmittelsicherheit, Qualität und Nachhaltigkeit Ihrer Produkte gewährleistet.

