Trifluoressigsäure (TFA) im Wein und dessen möglicher Ursprung in PFAS-Pestiziden

Wein

Ein aktueller Bericht des Pesticide Action Network Europe (PAN Europe) warnt vor einer besorgniserregenden Entwicklung: In Weinen aus zehn EU-Mitgliedstaaten wurden Rückstände von Trifluoressigsäure (TFA) nachgewiesen – einem Abbauprodukt von PFAS-Verbindungen, den sogenannten „ewigen Chemikalien“. Diese Erkenntnisse werfen ernsthafte Fragen im Hinblick auf den Verbraucherschutz sowie die Zukunft des europäischen Weinbaus auf.

Was ist TFA – und warum ist es bedenklich?

Trifluoressigsäure (TFA) ist eine hoch persistente organische Verbindung, die beim Abbau per- und polyfluorierter Alkylsubstanzen (PFAS) entsteht. PFAS werden u. a. in Pestiziden, Löschschäumen, imprägnierten Textilien sowie fluorierten Kältemitteln eingesetzt. Aufgrund ihrer extremen Stabilität in der Umwelt gelten sie als „ewige Chemikalien“.

TFA entsteht vorrangig durch den Abbau von Pestiziden und industriellen Treibmitteln. In diesem Vorgang können beispielsweise sogenannte PFAS-Pestizide als Endprodukt zu TFA metabolisieren. Zwar sind damit mögliche Quellen von TFA-Befunden bekannt, doch lässt sich aus diesemn selbst nicht unmittelbar auf die eigentliche Quelle schließen.

TFA im Wein: Was zeigt die Untersuchung?

Im Rahmen der Untersuchung wurden 49 Weinflaschen aus verschiedenen EU-Ländern analysiert. Die Ergebnisse sind eindeutig:

  • Vor dem Jahr 1988 wurden keine TFA-Rückstände festgestellt.
  • Ab diesem Zeitpunkt zeigen sich allmählich steigende Werte.
  • Seit 2010 ist ein exponentieller Anstieg zu beobachten – mit durchschnittlich 122 µg/L im Zeitraum 2021–2024.
  • Sowohl konventionelle als auch biologische Weine waren betroffen, was auf eine weitreichende Umweltkontamination hindeutet.
  • Höhere TFA-Konzentrationen traten insbesondere in Weinen mit zahlreichen Pestizidrückständen auf – ein klarer Hinweis auf einen ursächlichen Zusammenhang.

PAN Europe stuft diese Entwicklung als „alarmierend“ ein und warnt: Selbst geringe TFA-Gehalte können bei chronischer Exposition toxikologisch bedenklich sein. Weniger kritisch bewertet hingegen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Situation.

Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit

Obwohl TFA ursprünglich als relativ wenig toxisch galt, zeigen neuere Studien, dass es sich negativ auf Fruchtbarkeit und endokrine Systeme bei Säugetieren auswirken kann. Aufgrund seiner extremen Persistenz können diese Effekte auch Jahrzehnte nach dem Ausbringen in der Umwelt fortbestehen.

Laut einer in Environmental Science & Technology veröffentlichten Studie überschreitet TFA die planetaren Belastungsgrenzen für neue chemische Substanzen. PFAS und ihre Abbauprodukte wie TFA werden inzwischen als eine der bedeutendsten globalen Umweltbedrohungen eingestuft.

So laut Messungen einer Umweltorganisation wurden in handelsüblichen Weinen Rückstände von TFA nachgewiesen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat eine erste Bewertung dieser Werte vorgenommen und stellt Antworten auf ausgewählte Fragen bereit.

Folgen für die Weinindustrie

Derzeit existieren noch keine spezifischen gesetzlichen Grenzwerte für TFA in Wein. Hierbei sind vor allem Fragen zur Hintergrundbelastungen, die bei der Setzung von Rückstandshöchstgehalten zu beachten sind, noch nicht geklärt. Allerdings wächst der regulatorische Druck: Die jüngst erfolgte Einstufung von TFA als „reproduktionstoxisch verdächtig“ (Kategorie 2) lässt auf künftig strengere Vorschriften schließen – einschließlich verbindlicher Überwachung..

Betriebe, die frühzeitig auf ein Monitoring und die Kontrolle von TFA setzen, sichern sich einen Wettbewerbsvorteil und dokumentieren zugleich Umweltverantwortung und Lebensmittelsicherheit.

Nachhaltige Lösungen: Was ist zu tun?

PAN Europe fordert ein sofortiges Verbot PFAS-haltiger Pestizide und fluorierter Gase. Die EU sollte die bereits in Planung befindlichen Beschränkungen rasch umsetzen und einen klaren Übergang zu PFAS-freien Anbaumethoden unterstützen.

Empfohlene Maßnahmen:

  • Förderung guter landwirtschaftlicher Praxis ohne PFAS-Einsatz.
  • Ausweitung der Rückstandskontrollen in Weinbergen.

Nachhaltigkeitszertifizierungen gezielt als Qualitätsmerkmal im internationalen Markt positionieren.

Fazit

Der Wein – ein zentrales Kulturgut Europas – könnte sich unbemerkt zur Quelle chronischer Belastung durch toxische Chemikalien entwickeln. Der Umgang mit PFAS im Weinbau erfordert entschlossenes Handeln von Politik, Industrie und Verbraucher*innen. Es steht nicht nur die Zukunft einer nachhaltigen Weinwirtschaft auf dem Spiel, sondern auch unsere Gesundheit und die ökologische Integrität Europas.

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Quellen:

Euronews. (2025, April 23). Há um poluente prejudicial à saúde presente nos vinhos europeus. https://pt.euronews.com/my-europe/2025/04/23/ha-um-poluente-prejudicial-a-saude-presente-nos-vinhos-europeus

Carrington, D. (2025, April 23). ‘Alarming’ increase in levels of forever chemical TFA found in European wines. The Guardian. https://www.theguardian.com/environment/2025/apr/23/alarming-increase-forever-chemical-tfa-european-wines

Executive Digest. (2025). Estudo revela contaminação generalizada de vinhos europeus com ‘químicos eternos’. https://executivedigest.sapo.pt/noticias/estudo-revela-contaminacao-generalizada-de-vinhos-europeus-com-quimicos-eternos/

Um Só Planeta. (2025, April 23). Relatório revela aumento “alarmante” de químico eterno TFA em vinhos europeus. Globo. https://umsoplaneta.globo.com/energia/noticia/2025/04/23/relatorio-revela-aumento-alarmante-de-quimico-eterno-tfa-em-vinhos-europeus.ghtml

Petitchef. (2025). Poluentes em nossas taças: vinhos europeus contaminados com PFAS. https://pt.petitchef.com/artigos/receitas/poluentes-em-nossas-tacas-vinhos-europeus-contaminados-com-pfas-aid-12011

PAN Europe. (2025). Forever Chemicals in Wine – The Hidden Danger. Pesticide Action Network Europe. https://www.pan-europe.info/press-releases/2025/04/study-reveals-alarming-surge-forever-chemical-tfa-european-winePersson, L., Carney Almroth, B. M., Collins, C. D., Cornell, S., de Wit, C. A., Diamond, M. L., Fantke, P., Hassellöv, M., MacLeod, M., Ryberg, M. W., Søgaard Jørgensen, P., Villarrubia-Gómez, P., Wang, Z., & Hauschild, M. (2022). Outside the safe operating space of the planetary boundary for novel entities. Environmental Science & Technology, 56(3), 1510–1521. https://doi.org/10.1021/acs.est.1c04158